Am Sonntag, 25. September, findet in der Teckstadt das traditionelle Schnitzelfest des Kirchheimer Trachtenvereins statt. Unter anderem sind dort die Goislschnalzer zu sehen und zu hören.
30Jahre Goiler

Wenn am letzten Sonntag im September das traditionelle Schnitzelfest des Kirchheimer Trachtenvereins auf der Festwiese und im Vereinsheim stattfindet, dann wird der Gruppenleiter der Goislschnalzer, Konrad Bachmeier, stolz auf seine ehrenamtliche Aufgabe sein. Denn vor Jahren, als aktiver Vorplattler, machte er sich Gedanken darüber, was sein wird, wenn beim Schuhplatteln Schluss ist?
Ohne Aufgabe konnte der rüstige Bayer nicht sein. Im Urlaub im Chiemgau hatte er schließlich eine Idee: Er gründete vor 30 Jahren eine GoislschnalzerGruppe. Denn was Konrad Bachmeier schon als Kind gerne getan hatte, war beim Gänsehüten und Heueinfahren im Bayerwald mit der Peitsche zu knallen.

Der gelernte Schreiner hobelte in seiner freien Zeit die ersten Stöcke aus Eschenholz und versuchte Goisln zu bauen. Die Stöcke waren steif, schwer und schnell kaputt. Also telefonierte er in seine Heimat und bald war eine gute Adresse für die richtigen Goisln gefunden. Es folgten viele Änderungen an der Peitsche: Manilarohr wurde ausprobiert, bis dann schließlich die Glasfaser den Männern viel Freude beim Peitschenknallen brachte.

Seine erste Besetzung in der Goisl­schnalzer-Gruppe fand er mit Jürgen Haug, Helmut Schuster, Ernst Russegger, Herbert Hummel und sich selbst. Der erste Auftritt vor 30 Jahren war bei den Hochzeitsfeierlichkeiten des jetzigen Vorsitzenden Ernst Hummel.

Die Goisl, je nach Gegend oder Dialekt Goaßl oder Peitsche genannt, ist ein Relikt vergangener Zeit, als der Warentransport noch mit Fuhrwerken abgewickelt wurde. Auf dem Heimweg von der Feldarbeit hat so mancher Bauernbursche die Goisl als Hupe benutzt oder ein lustiges Lied gepfiffen und dazu die Goisl im Takt geschnalzt. Ein rechter Fuhrmann hat seine Goisl niemals benutzt, um auf seine Zugpferde einzuschlagen. Sie diente allenfalls als Kommando, um die Zugkraft zu steigern. Auch bei kirchlichen Festen wird an manchen Orten kräftig mit der langen Peitsche geknallt. Nach dem Zweiten Weltkrieg, als die jungen Burschen aus der Gefangenschaft heimkehrten, traf man sich abends, um mit der Peitsche um die Wette zu knallen. Es war ein Kräftemessen – nicht zuletzt, um der Liebsten zu imponieren.

konyDer Trachtenverein Kirchheim will mit dieser Tradition die Erinnerung an diese Zeit wachhalten. Im Jahr 2001 haben Bachmeier und seine Männer zum 20-jährigen Bestehen der Gruppe einen Namen gefunden: die Teckberg-Goislschnalzer. Seitdem hat die Gruppe bei vielen Auftritten den Trachtenverein repräsentiert.
Noch immer hofft der rüstige Bayer, Nachwuchs zu finden, um sein Erbe weiterzugeben. Doch im 21. Jahrhundert ist es schwer, das Inte­resse für das Goislschnalzen zu wecken.
Auch beim Schnitzelfest des Trachtenvereins werden die Schnalzer vertreten sein, um aus dem umfangreichen Repertoire einige Auszüge zu zeigen. Ein weiterer Höhepunkt ist die neu zusammengefügte Glockenspielgruppe. Mitglied Jürgen Haug, selbstständiger Musiklehrer, hat in den letzten Monaten viel Zeit investiert. Neben ihm mit seiner Ziehharmonika und einer jungen Gitarrenspielerin sind zwei junge Trachtler an den Glocken zu sehen und zu hören.ah

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