Andreas Volz

Kirchheim. Der Tanz um den Maibaum ist dieses Jahr komplett ins Wasser gefallen:

Der Regen zum 
gestrigen Maifeiertag hat den geplanten Auftritt des Kirchheimer Trachtenvereins vereitelt. Einziger Vorteil: Sicherheitsbestimmungen hatten es notwendig gemacht, kurzfristig einen frischen Baum aufzustellen. Und das hat seine Tücken, wie Ernst Hummel, der Erste Vorsitzende des Trachtenvereins, gestern am Mikrofon erläuterte: „Der Baum ist sehr schwer, weil er noch voll im Saft steht.“ Er wäre also ohnehin zu schwer gewesen, um ihn traditionell mit reiner Mus­kelkraft in die Höhe zu hieven.

Der Regen prägt das Bild. Die kurze Maibaum-Zeremonie bestand deshalb auch nur im Anbringen von Flaggen und Zunftzeichen.Foto: Deniz Calagan

Deshalb war der Kirchheimer Maibaum – entgegen jeder Tradition – bereits zwei Tage vor dem 1. Mai per Kran neben dem Kirchheimer Marktbrunnen „aufgepflanzt“ worden. Gerade das sollte sich im Nachhinein als Glücksfall erweisen. Weil sich der Wonnemonat an seinem ersten Tag alles andere als wonniglich zeigte, hätten die starken Männer des Trachtenvereins auch einen älteren, ausgetrockneten Baum nicht stemmen können: „Dazu wäre es heute viel zu glatt und zu rutschig.“

So kam es gestern also zum schnellsten „Aufstellen“ in der Kirchheimer Maibaum-Geschichte. „Wir können bei dem Wetter leider nicht tanzen und nicht schuhplatteln“, meinte Ernst Hummel zur Absage eines wichtigen Programmpunkts. Und auch die traditionelle musikalische Begleitung durch die Jugendkapelle der Stadtkapelle Kirchheim und durch den Spielmannszug der Feuerwehr musste entfallen, weil der Regen den Instrumenten noch weitaus mehr zugesetzt hätte als den Spielern.

Trotzdem dankte Ernst Hummel den zahlreichen Zuschauern dafür, dass sie sich nicht davon abhalten ließen, dem kurzen Spektakel beizuwohnen. Es bestand letztlich darin, dass Flaggen und Zunftzeichen am „nackten“ Baum angebracht wurden. Durch diese Zeremonie gibt es tatsächlich erst seit gestern einen „richtigen“ Maibaum in Kirchheim.

Speziell die Flaggen – die deutsche, die französische, die ungarische und die europäische – haben in diesen Maitagen eine große Bedeutung in Kirchheim: Oberbürgermeisterin Angelika Matt-Heidecker konnte gestern nämlich eine Grundschuldelegation aus Kirchheims französischer Partnerstadt Rambouillet begrüßen. Außerdem wies sie darauf hin, dass am Muttertag-Wochenende in Kirchheim das 25-jährige Bestehen der Partnerschaft mit dem ungarischen Kalocsa gefeiert wird, ganz im Zeichen der europäischen Freundschaft.

Dem Trachtenverein dankte sie dafür, dass er die Tradition des Maibaums in Kirchheim hochhält, und dafür, dass er zum Kalocsa-Wochenende – bei hoffentlich besserem Wetter – seine Tänze tatsächlich unter freiem Himmel aufführen wird. Zur gestrigen Regen-Misere sagte sie, an Vereinsmitglieder und Publikum gewandt: „Bei gutem Wetter kann jeder. Sie zeigen, dass es auch bei schlechtem Wetter geht.“

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