Seit 25 Jahren besteht die Städtepartnerschaft zwischen Kirchheim und Kalosca. Garniert mit Reden, in denen der europäische Gedanken die Hauptrolle spielte, einigen Geschenken und etwas Folklore feierte die Stadt mit ihren ungarischen Gästen aus Kalocsa das Jubiläum auf dem Martinskirchplatz.

Monika Riemer

Buchstäblich frischen Wind und bunte Farben brachten die ungarischen Gäste am Samstag in die Kirchheimer Fußgängerzone.
Foto: Markus Brändli

Kirchheim. Am 5. Mai 1990, dem Europatag, begründeten das ungarische Kalocsa und das schwäbische Kirchheim ihre Städtepartnerschaft. Damals gab es den Warschauer Pakt zumindest auf dem Papier noch und der Fall des eisernen Vorhangs lag gerade einmal wenige Monate zurück. Die besondere Rolle Ungarns betonte dann auch Kirchheims Oberbürgermeisterin Angelika Matt-Heidecker in ihrer Festrede: „Indem die Ungarn 1989 ihre Grenze geöffnet haben, haben sie den ersten Stein aus der Berliner Mauer gebrochen.“

Die Stadtoberhäupter aus Kalocsa und Kirchheim stoßen auf die langjährige Partnerschaft an.
Foto: Markus Brändli

Heute seien die Begegnungen zwischen Ungarn und Deutschen von Herzlichkeit und Freundschaft geprägt. Besonders groß ist allerdings das Interesse an wirtschaftlichen Kontakten. Vor allem seit dem Jahr 2004, seit Ungarn Mitglied der Europäischen Union ist, ist Deutschland deren mit Abstand wichtigster Außenhandelspartner.

Angelika Matt-Heidecker berichtete von einem geplanten Ausbildungsprogramm auf kommunaler Ebene, bei dem Jugendliche aus Kirchheims Partnerstädten die Möglichkeit erhalten sollen, in Kirchheim eine Ausbildung zu absolvieren. Ebenso wichtig sind die Schüleraustausche, die Grundlage sind für weitere bürgerschaftliche Begegnungen. „Eine solche Partnerschaft kann nicht bloß auf politischer und verwaltungstechnischer Ebene begründet werden“, ist sich die Oberbürgermeisterin sicher.

Es sei überdies sehr wichtig, sich die Geschichte bewusst zu machen. Zumal beide Seiten „rechte und linke Regime überwunden haben“. Das gelte auch im Hinblick darauf, dass im mittlerweile geeinten Europa nun seit 70 Jahren Frieden herrsche.

Der Bürgermeister von Kalocsa, Dr. József Bálint, unterstrich, wie sehr solche Partnerschaften zu Friede, Verständigung und einem harmonischen Miteinander beitragen. „Weniger mit Worten, als mit Taten schaffen wir wirkliche Brüderlichkeit“, sagte er.

Die Worte sind sicher oft auch eine maßgebliche Barriere im Austausch. Denn die Übersetzerin hatte gut damit zu tun, die Reden in die jeweiligen Landessprachen zu übersetzen. Aus den ungarischen Ös, Üs und Schs tauchten nur hin und wieder bekannte Worte wie Kirchheim und Toleranzia auf.

Keine Übersetzung dagegen brauchen Kunst und Kultur. Was die Kalocsaer Tanzgruppe „Piros Rózsa“ darbot, begeisterte über die Sprachgrenzen hinweg. Ausgelassen und heiter erzählten die bunt gekleideten Darsteller mit Tanz und Gesang vom Spott der Frauen über die Männer. Letztere trauern darum, dass der Wein zur Neige geht, bevor der neue geerntet ist. Witz, Gestik und Mimik sind eben international. Das Publikum lachte, klatschte und wippte im Takt. Laut eigenen Worten „der schwäbischen Gemütslage entsprechend“ präsentierte der Kirchheimer Trachtenverein danach einen vergleichsweise ruhigen Volkstanz in der schwäbischen Schäfertracht. Die Nationalhymnen beider Länder sowie die Europahymne intonierten der Gesangverein Eintracht und die Stadtkapelle Kirchheim.

Geschenke gab es auch: Die Kirchheimer bekamen ein Gemälde, auf dem die wichtigen Bauten beider Städte um einen Platz gruppiert sind, und eine alte Feuerwehruniform mit Schmuckhelm für das Feuerwehrmuseum. Die Ungarn haben nun eine Versteinerung aus Holzmaden im Gepäck.

Nachdem sich alle wichtigen Leute ins goldene Buch der Stadt eingetragen hatten, begann das Bürgerfest mit Saitenwürstchen, Kartoffelsalat und Langosch. Doch, trotz den Schlägen von „Trommelfell“ von der Raunerschule und den „Big Bandits“ von der Freihof-Realschule, wehte der Wind den Martinskirchplatz relativ schnell leer.