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Gebirgstracht 2012

Die Miesbacher Gebirgstracht besteht für die Herren aus Trachtenschuhen mit Lederriemen, Messinghaken und Absatzeisen. Grau-grüne oder weiß-grüne Strümpfe mit entsprechenden Aufschlag in handgestickter Ausführung, andersfarbige Stickereien wären falsch. Die Lederhose ist schwarz, grün oder gelb gestickt. Die Joppe ist grau mit Edelweis-, Eichenlaub- oder Efeustickerei. Die Hosenträger sind aus Leder mit Steg, der gestickt oder mit echtem Silberschmuck versehen ist. Der Binder soll aus Seide sein und mit Horn- oder Silberschieber mit Ring getragen werden. Die Weste ist ein grünes Tuch oder aus Samt, mit echten Knöpfen und Kette. Es wird ein weißes Lein-Hemd getragen. Der Hut ist ein grüner Scheibenhut mit Kordel oder Band. Als Hutschmuck sind nur Hackel, Flaum, Reiher, Gamsbart und evtl. das Vereinsabzeichen möglich. Der Schmuck soll schlicht, einfach und echt sein.

 

und für die Damen aus Trachtenhalbschuhen oder Spangenhalbschuhen mit zwei Spangen und niederem Absatz ohne Gummi. Die Strümpfe sind weiß und handgestickt. Die Farbe des Kleides ist beliebig, muß aber lange Ärmel haben und kann oben gesmokt oder in Falten gezogen sein. Der Rock soll nach dem Oberteil gesmokt oder in Falten gelegt sein. Er soll nicht kürzer sein als 25 cm vom Boden weg. Das Mieder ist aus schwarzem Tuch, abgesteppt und mit Silberhaken versehen. Die Unterwäsche besteht aus weißem Leinen und es wird ein weiter und ein enger Unterrock getragen. Zum Miedertuch, das aus weißem Leinen besteht, gehört noch ein Brustlatz aus weißen Spitzen, die leicht gestärkt getragen werden. Zum Schmuck gehören Miederkette, Taler, Halskette und Haarschmuck. Sie müssen alle aus echtem Silber sein. Als Hut wird der grüne Scheibenhut für Dirndl getragen; als Zier Flaum oder Bart.


Was ist ein Schuhplattler?

Der Schuhplattler ist ein ganz besonderer Tanz, den Paare aber auch einzelne Burschen in der Gruppe oder alleine Tanzen. Aus heute nicht mehr genau nachweisbaren Anfängen, die wahrscheinlich bis ins Mittelalter zurückgehen, entstand das, was wir heute als "schuhplatteln" bezeichnen. Seine Erfinder waren einfache Leute wie Bauern, Jäger und Holzfäller. Getanzt wurde damals selten. Wenn sich aber die Gelegenheit bot, hat der Bursch sein Dirndl zum Tanz eingeladen um ihr deutlich zu machen, was ihn bewegte.

Man muss sich vergegenwärtigen, dass die Bauernburschen und Holzknechte vergangener Jahrhunderte weder lesen noch schreiben konnten und ihre verbale Ausdrucksweise oft recht unbeholfen gewesen sein dürfte. Sie verfügten aber über überdurchschnittliche Muskelkräfte und waren auf Grund der harten Arbeit zu erstaunlichen Dauerleistungen fähig. Dazu kam wohl auch ein Gefühl für Musikalität und Rhythmus. Mit diesen Gaben der Natur wollten sie sich ihrem Dirndl offenbaren.

Was läge da näher als durch einen draufgängerischen, kraftstrotzenden Tanz das Dirndl zu beeindrucken. Insoweit war der Schuhplattler von Anfang an ein Werbetanz, mit dem der Bursch versuchte die Gunst des Dirndls zu erwerben. Deshalb unterscheidet sich der Schuhplattler nicht unwesentlich von jenen Tänzen bei denen die Partner körperlichen Kontakt suchten. Angefangen beim Walzer, der ersten weitverbreiteten Tanzform mit Tuchfühlung, der deshalb seinerzeit als unmoralisch galt, bis hin zum sinnlichen Tango.

Die Vorläufer des Schuhplattlers sind wesentlich älter als diese Tänze. Wie weit sie zurückreichen weiß man nicht genau. Die ältesten, brauchbaren Hinweise stammen aus der Zeit des höfischen Menuetts und der Quadrille, aus dem 18. Jahrhundert. Diese, strengen Regeln unterworfenen Tänze wurden bei Hofe getanzt. In den ländlichen Gegenden in Tirol und Oberbayern folgte man frei der Musikalität und dem eigenen Bewegungsdrang. Die Burschen improvisierten und setzten die Tanzfiguren nach eigenem Gutdünken zusammen. Die Grundform ist der Ländler, der Anfang des 18. Jahrhunderts von Österreich nach Bayern kam.

Zunächst wirbt der Bursch um die Gunst des Dirndls. Er tut dies - unter anderem - mit lebhaften Soloeinlagen, die schon Schläge auf Schenkel und Schuhsohlen enthalten. Je weiter im Gebirge man sich befindet um so lebhafter wird der Tanz.

Nach dem Wiener Kongress (1815) gewinnt der Schuhplattler immer mehr an Boden. Die Figuren sind von Ort zu Ort verschieden und neue werden hinzugefügt. Noch hat der Tanz rein werbenden Charakter. Dies behält er auch bei, als in dem nun beginnenden zweiten Entwicklungsabschnitt das gleichzeitige Platteln der Burschen, in lockerer, nicht formierter Aufstellung unter dem Namen "Plattler" und "Pempererstoissen", ausgehend von Bayern, Eingang findet.

Die dritte Epoche des Plattlers setzte um die Mitte des vorigen Jahrhunderts im bayrischen Oberland ein, als einige Burschen die Publikumswirksamkeit des Schuhplattlers entdeckten. Mehr und mehr wandte sich die Bedeutung des Schuhplattlers vom Werbetanz zum Schautanz. Jeder Werbetanz trägt ja den Kern eines Schautanzes in sich. Den er soll gesehen "geschaut" werden, ob vom Dirndl oder vom Publikum. Die Vereine greifen nun ab 1883 diese Form des Schuhplattlers auf und praktizieren sie bis heute.

Heute wird in ganz Österreich geplattelt. In jedem Bundesland von Vorarlberg bis Wien haben die Vereine den Tanz "Schuhplattler" aufgegriffen und pflegen ihn bis heute.

Auch in unserem Verband, dem Verband der Heimat und Trachtenvereine Linz und Umgebung wird diese Tradition gepflegt. Von den 35 angeschlossenen Vereinen haben rund die Hälfte eine Plattlergruppe. Wobei jede Gruppe seine eigenen für den Heimatort spezifischen Plattler hat, die bei verschiedenen Anlässen aufgeführt werden.

Die sogenannten Verbandsplattler, Linzerbua, Schneeberge und Steffl sind aber im ganzen Gebiet gleich. Immer wenn sich befreundete Vereine bei diversen Veranstaltungen treffen, könne diese drei miteinander aufgeführt werden.Die Beschreibung dieser drei Plattler findet ihr weiter unten.

Der Verband ist steht’s bestrebt die Tradition des Schuhplattelns in ihren Ursprüngen zu erhalten. Er bietet dazu regelmäßig Schulungen und Plattlerseminare an. Dort können die Mitglieder neue Plattler erlernen, alte auffrischen und etwas über den geschichtlichen Hintergrund erfahren. Auch die Musiker werden dort geschult. Weiters besteht die Möglichkeit die Vorplattler des Verbandes zu einem Vereinsbesuch einzuladen.

Wie bereits erwähnt wird der Schuhplattler immer mehr zu einem Schauplattler. Der Fremdenverkehr hat dazu wohl nicht unbeträchtlich beigetragen. Selbstverständlich sollten wir unsere Tänze mit den Gästen die sich für unsere Heimat - unsere Tradition - interessieren teilen. Wenn wir die Plattler aber verändern nur damit sie auf die Gäste spektakulärer wirken, sind wir dabei unsere Tradition zu verkaufen. An erster Stelle sollte immer die Brauchtumspflege und die eigene Freude am Schuhplatteln stehen und nicht die Vermarktung und Wirtschaftlichkeit unserer Tätigkeit. Wenn wir uns darauf besinnen wird dem Schuhplattler auch weiterhin ein Platz in unseren Herzen sicher sein. Ich bin überzeugt, dass wir langfristig damit auch bei den Urlaubsgästen einen besseren Eindruck hinterlassen. Arbeiten wir in diesem Sinne weiter, dann können wir stolz auf unser Jahrhunderte altes Brauchtum sein.

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